Die AG Rehabilitation und gesellschaftliche Teilhabe sehbehinderter und blinder Seniorinnen und Senioren stellt sich vor

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wächst die Gruppe der altersbedingt stark sehbehinderten und blinden Seniorinnen und Senioren dramatisch an. Die WHO geht von 1,2 Millionen blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland aus, ca. 70% davon sind 60 Jahre und älter. Dies sind in absoluten Zahlen ca. 850.000 Menschen.
Hauptursache für eine Sehschädigung im Alter ist die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD mit ca. 70%), weitere Ursachen sind diabetische Retinopathien und Glaukom-Erkrankungen. Bei diesen Augenerkrankungen ist eine medizinische Behandlung im Sinne der Wiedergewinnung des Sehvermögens meist nicht mehr möglich.

Im Gegensatz zu allen anderen Lebensphasen (Vorschule, Schule, Ausbildung und Beruf) existiert für diese, die größte Gruppe der blinden und sehbehinderten Menschen, bundesweit bislang kein systematisches Versorgungsangebot, das neben den medizinisch-optischen  gleichermaßen auch die psycho-sozialen Fragestellungen berücksichtigt.
 
Dabei werden besonders im Alter erworbene Seheinbußen häufig als extrem angstauslösend erlebt, besonders auch dann, wenn weitere gesundheitliche Einschränkungen hinzu kommen. Nicht selten bedeutet besonders der spät erworbene Sehverlust auch den Verlust der visuellen Kommunikationsfähigkeit, Angst vor dem Erblinden, Vereinsamung.
 
Notwendige Interventionen zur Rehabilitation und gesellschaftlichen Teilhabe sehbehinderter und blinder Seniorinnen und Senioren sind daher komplex und unbedingt interdisziplinär. Sie erfordern einen kompetenten und sensiblen Umgang und umfassen folgende Low Vision-Maßnahmen:
  • Psychosoziale Beratung und Klärung von Fragen zu der jeweiligen Augenerkrankung,
  • Erarbeitung konkreter Lösungsstrategien, die die Bewältigung des Alltags erleichtern,
  • Information und Beratung über optische und nichtoptische Hilfen, Sehhilfenanpassung und –schulung,
  • Beratung und Einführung in spezifische Hilfsmittel für den Alltag, Tipps für Haushaltsführung und Freizeitgestaltung, Vermittlung von Orientierung und Mobilität,
  • Berücksichtigung seniorenspezifischer, den Sehverlust verstärkender Fragestellungen wie z. B. Multimorbidität, Hörverlust und Demenz,
  • Information zu den sozialrechtlichen Fragen der Sehbehinderung,
  • Mulitplikatorenschulungen, Information und Vermittlung von allgemeinen Seniorenangeboten vor Ort, Vernetzung von Betroffenen und Kontakt zu Selbsthilfegruppen,
  • Zusammenarbeit mit den allgemeinen Seniorenberatungsstrukturen.
 
Es scheint erforderlich, die Professionalisierung der beteiligten Berufsgruppen auf das Klientel älterer Menschen voranzutreiben und auch professionelle Beratungsstrukturen aufzubauen, die vom Grundsatz her der Struktur der Frühförderung ähneln: Es handelt sich ebenfalls um einen multidisziplinären Ansatz, dessen Kernprofession beispielsweise ein Rehabilitationspädagoge/in bzw. Blinden-/Sehbehindertenpädagoge/in, ein Sozialpädagoge/in/-arbeiter/in oder ein Diplomgerontologe/in sein kann.
Das multidisziplinäre Vorstands-Team der AG Rehabilitation und gesellschaftliche Teilhabe sehbehinderter und blinder Seniorinnen und Senioren im VBS nimmt sich dieser vernachlässigten Personengruppe an und fördert den fachlichen Austausch und die Entwicklung der für sie zugeschnittenen interdisziplinären Versorgungskonzepte. Des Weiteren organisiert und veranstaltet die AG Fachtagungen unter Berücksichtigung der Einbeziehung neuer Forschungsergebnisse.
 
Franz-Josef Esch
Kirsten Wahren-Krüger

Leitung

Dr. Sabine Lauber-PohleAG Leitung
Dr. Sabine Lauber-Pohle
Philipps-Universität Marburg, Institut für Erziehungswissenschaft
Wilhelm-Röpke-Str. 6A Raum +2A05
35032 Marburg
Tel.: 0049 (0)6421 28 23029
E-Mail
Kirsten Wahren-Krüger AG Leitung
Kirsten Wahren-Krüger
Max-Born-Straße 18
74321 Bietigheim-Bissingen
Tel.: 0171 / 3772989 oder +1 248 / 6227165
E-Mail

Vergangene Tagungen