Die AG hörsehbehindert/taubblind

Eckpunkte der Arbeit der AG hörsehbehindert/taubblind im VBS

Definition Taubblindheit

Ziele der AG

Die AG hat zum Ziel, dem Fachkollegium im VBS ein Forum zu bieten, um sich Wissen zum Thema Taubblindheit anzueignen sowie Erfahrungen und unterschiedliche Arbeitsansätze miteinander auszutauschen und sich zu vernetzen.

Aufgaben der AG

In Tagungen wollen wir den Dialog zwischen den Kolleginnen und Kollegen ermöglichen, die sich mit dem Thema Hörsehbehinderung und Taubblindheit beschäftigen. Neben dem Austausch von Erfahrungen werden auch Vorträge oder Fortbildungen zu Scherpunkthemen und neuen Erkenntnissen organisiert. Darüber hinaus bieten wir die Möglichkeit, sich miteinander zu vernetzen.

Leitung

Dr. Nadja HögnerAG Leitung
Dr. Nadja Högner
Hauptstraße 6 C
10317 Berlin
E-Mail
Markus Meierstellvertretende AG Leitung
Markus Meier
Deutsches Taubblindenwerk gGmbH, Bereichsleitung Landhof
Pötzer Kirchweg 5
31840 Hess. Oldendorf
Tel.: 05152/9418966
E-Mail
Beate Schork stellvertretende AG Leitung
Beate Schork
Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn
Kloster 2
78713 Schramberg-Heiligenbronn
Tel.: 07422/569-295
Fax: 07422/569-301
E-Mail

Aktuelle Informationen

Tagungsbericht der Jahrestagung unter dem Thema: Perspektiven für Grenzgänger (9. - 11. Mai 2019 in Fischbeck)


Markus Meier

Wie reagieren wir, wenn wir im Betreuungsalltag immer wieder mit Situationen konfrontiert werden, die uns im Kontakt mit einem behinderten Menschen überfordern, ratlos und hilflos machen?
Was tun, wenn alle Maßnahmen nicht geeignet scheinen, die Endlosschleife aus  häufigen Grenzüberschreitungen, wie z. B. selbst- und fremdverletzendem Verhalten, zu verlassen?
Jeder kennt die Situation: Herausfordernde, besondere Verhaltensweisen im Betreuungsalltag, Kommunikation will nicht gelingen, es kommt zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen.
Bei hörsehbehinderten/taubblinden Menschen, deren Kommunikationsmöglichkeiten oft massiv eingeschränkt sind, liegt der Fokus auf dem empathischen basalen Dialog. Auch hier kann es zu einem Nicht-Gelingen von Kommunikation kommen.
Unter dem Thema „Perspektiven für Grenzgänger“ fand die diesjährige Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Hörsehbehindert–Taubblind im Deutschen Taubblindenwerk Fischbeck statt.
Der Auftakt war aber dem diesjährigen Jubiläum „20 Jahre AG-Tagung“ gewidmet. Nach der Gründung am 12. Februar 1998 fand die erste Tagung vom 24. - 26. Februar 1999 im Deutschen Taubblindenwerk in Hannover statt. Grund genug, diesen Anlass auch zu würdigen.
Nach der Begrüßung durch den AG-Vorstand Beate Schork (stiftung st. franziskus Heiligenbronn) und Markus Meier (Deutsches Taubblindenwerk Fischbeck) gab es einen kleinen inhaltlichen Rückblick über die Arbeitsgemeinschaft. Beate Schork, die bereits seit 2001 an den Tagungen der AG teilnimmt und ab 2011 als Stellvertretende Vorsitzende die AG-Arbeit mitgestaltet, stellte den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die wichtigsten und bedeutendsten Meilensteine der Arbeitsgemeinschaft vor. Die Idee, eine Arbeitsgemeinschaft für den Personenkreis der Taubblinden zu gründen, entstand Ende der 90er Jahre innerhalb der AGTB auf Wunsch des VBS. An der Gründungsversammlung waren damals Vertreter folgender Einrichtungen anwesend: Deutsches Taubblindenwerk Hannover (Bildungszentrum für TB), Deutsches Taubblindenwerk Fischbeck (Wohnen und WfbM), Blindeninstitutsstiftung Würzburg, Cecilienstift Halberstadt, Berufsförderungswerk Düren, Stiftung Blindenanstalt Frankfurt, IRIS Hamburg, Westfälische Schule für Blinde Paderborn, Humboldt Universität Berlin und Blindenselbsthilfe. Als erster AG-Vorsitzender wurde damals Dietrich Bunck (DTW Hannover) gewählt. In den folgenden Jahren übernahmen dann Gudrun Lemke-Werner (DTW Ha––nnover) und Herbert Kubis (DTW Hannover) das Amt des Vorsitzenden. Seit 2017 ist Frau Dr. Nadja Högner aus Berlin Vorsitzende der AG (z. Z. in Elternzeit). Die Stellvertretung lag in den ersten zwölf Jahren bei Hanne Pittroff (Blindeninstitutsstiftung Würzburg) und seit 2011 bei Beate Schork (stiftung st. franziskus, Schramberg-Heiligenbronn). Seit der Vorstandswahl im Jahr 2017 ist der Vorstand durch Markus Meier (DTW Fischbeck) erweitert worden.
 
Neben der Fülle aktueller Themen dieser Fachtagungen, die die Taubblindenarbeit in den letzten 20 Jahren geprägt haben, zeigte Beate Schork die Wichtigkeit der Vernetzung und des Austauschs unter den Einrichtungen und deren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf. Auch die Anbindung und Vernetzung mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz (Tanne) und aus Österreich (ÖHTB) als „Mitglieder der AG Hörsehbehindert–Taubblind“ war ein wichtiger Schritt.
Als „Festrede“ des AG-Jubiläums referierte Herbert Kubis als ehemaliger Vorsitzender über seine Taubblindenpädagogen-Biographie. In einem fesselnden Vortrag berichtete Herbert Kubis über seinen Weg in die Taubblindenarbeit. Er ließ die Tagungsteilnehmer und -teilnehmerinnen an seinen prägenden Erfahrungen teilhaben und seine Bindungs- und Pädagogenansätze in der Arbeit mit taubblinden Kindern und Jugendlichen wurden durch seine persönliche Darstellung sehr lebendig.
Am zweiten Tagungstag stellten Frau Luxen und Herr Urbat in einem Vortrag das Konzept der „Entwicklungsfreundlichen Beziehung“ (EFB) vor. Dies ist ein ressourcenorientiertes Konzept zur Gestaltung des pädagogischen Alltags oder des Vorgehens im therapeutischen Kontext. Es verhilft zur Entfaltung der Gesamtpersönlichkeit, indem es Kompetenzen weckt, nutzt und fördert. Der wichtigste Wirkfaktor – und deswegen auch das theoretische und methodische Zentrum – ist die Beziehung, die sich am emotionalen Bedürfnisniveau des Gegenübers orientiert. Dabei geht es um die beiden Grundbedürfnisse Autonomie und Wunsch nach verlässlicher Bindung. Frau Luxen und Herr Urbat gaben anhand eines Fallbeispiels einen Einblick in das Konzept. Im Anschluss an die beiden Vorträge hatten die Tagungsteilnehmer und -teilnehmerinnen in zwei Kleingruppen die Gelegenheit, mit den Referenten in den direkten Austausch zu gehen.

„Leben wie ein Baum, einzeln und frei und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht“ (Nazim Hikmet)

Durch das Konzept der „Entwicklungsfreundlichen Beziehung“ erschließt sich eine Möglichkeit, auch Menschen mit Entwicklungsproblemen oder besonderem Betreuungsbedarf zur Überwindung von Entwicklungsblockaden sowie zur Entfaltung brachliegender Potentiale zu erreichen, so dass sich problematische Verhaltensweisen verringern. Dadurch bewirkt es eine Harmonisierung und Reifung der gesamten Persönlichkeit. Das Konzept eignet sich sowohl zur Unterstützung der Entwicklung von normal begabten und entwicklungsverzögerten Kindern als auch von Menschen mit psychischen Problemen und/oder geistiger Behinderung.
Der Ansatz der Rehistorisierenden Diagnostik (Biographie-Arbeit), welcher im Anschluss durch Jutta Hennis vom Deutschen Taubblindenwerk präsentiert wurde, rundete den zweiten Tag ab. Je mehr man über einen Menschen mit Taubblindheit und sein Leben mit all seinen erlebten Erfahrungen weiß, umso mehr erfährt man über die Persönlichkeit des Menschen. Die aktuelle Situation wird dadurch nachvollziehbarer und man bekommt ein Verständnis dafür. Die destabilisierenden Auswirkungen ungünstiger Lebensereignisse, wie schwere körperliche Behinderungen, Traumatisierungen, extrem ungünstige Lebensbedingungen für den Betroffenen, werden unter Berücksichtigung der bio-psycho-sozialen Zusammenhänge betrachtet.
Der praktische Austausch und die Berichte aus der Arbeit sorgten für eine gute Mischung im Tagungsverlauf. Anhand eines Fallbeispiels aus dem Deutschen Taubblindenwerk Fischbeck durch Monique Ostermeier und Markus Meier am dritten Tag wurde deutlich, wie wichtig es ist, den richtigen Ansatz bei Menschen mit Entwicklungsproblematiken zu finden. Auch die Bedeutung eines stabilen und haltgebenden Umfelds wurde dabei offensichtlich.
Konzeptionelle Rahmenbedingungen bei Menschen mit einem höheren Betreuungsaufwand waren ein weiterer praktischer Ansatz zum Abschluss der Tagung. Erich Fuchs stellte das „Therapeutische Wohnen“ und ein „Langfristig intensiv betreutes Wohnangebot“ aus der stiftung st. franziskus Heiligenbronn vor. Dabei steht das Ziel einer späteren Eingliederung in eine übliche Wohn- und Betreuungsform der Behindertenhilfe im Vordergrund. Die Mischung aus baulichen und räumlichen Erfordernissen, dem Stellenschlüssel des Fachpersonals und der Kooperation mit einer Fachklinik bieten den erforderlichen Rahmen für die Betreuung von Menschen mit ganz besonderen Verhaltensproblematiken.
Neben den fachlichen Anregungen und den praktischen Beispielen kam der inhaltliche Austausch im Rahmen des gegenseitigen Kennenlernens nicht zu kurz. Einen der wichtigsten Bestandteile konnten gerade die jüngeren und neuen Tagungsteilnehmer für sich mitnehmen: Das Vernetzen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft.
„Allein können wir nur so wenig tun, zusammen können wir so viel tun.“ (Helen Keller)

 Hinweis: Wegen des VBS-Kongresses 2020 in Marburg findet die nächste Tagung der AG Hörsehbehindert–Taubblind erst im Jahr 2021 statt.


Für die AG Hörsehbehindert–Taubblind
Markus Meier
Deutsches Taubblindenwerk gGmbH

 

Internationaler Fachkongress Mai 2017 in Hannover

Neuwahl der AG Leitung

Im Rahmen des Fachkongresses 2017 in Hannover fand die Neuwahl der AG Leitung statt. Das neue Leitungsteam besteht aus Dr. Nadja Högner (Vorsitzende), Beate Schork (Stellvertretende, Schramberg-Heiligenbronn) und Markus Meier (Stellvertreter, DTW Fischbeck).

Bericht der AG über das abgelaufene Jahr 2015